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Albumarbeit - #1

Schön sieht es aus, dieses Cover da oben. Aufgeräumt, überschaubar und metamäßig kann man sicher auch viel (Un-)Sinn in das Motiv hinein (oder eben heraus) interpretieren. Wenn man denn möchte. Das Mögen ist generell die Sache des Publikums, der Zuhörerschaft. Sie sehen das Cover, denken anschließend "Schön" oder "Achduje" und schließen den Tab wieder, denn Prokrastination findet in ganz vielen kleinen Schritten statt. So auch bei mir. 

 

Wie es bei allen Kreativschaffenden der Fall ist, fängt ein Projekt meistens mit einer Idee an, die man für so genial hält, dass eigentlich gar niemand davon erfahren soll, weil sie sonst geklaut (oder noch schlimmer: verbessert) werden könnte. Andererseits ist die Schulterklopfsucht ein essenzieller Bestandteil unseres Daseins, in der das Lob für einen guten Einfall meist mehr Ansporn liefert als das in Aussicht gestellte Produkt am Ende des künstlerischen Leidprozesses. 

 

Da sitzt man dann am Schreibtisch, der Geistesblitz ist längst vom Alltagsdonner abgelöst worden, und macht sich mit Ambitionen, die einem in naher Zukunft zu laufenden Marathon gleichkommen, obwohl man noch nie Laufschuhe getragen hat, an die Arbeit. Eine bestimmte Anzahl von Stücken soll es sein, komponiert hat man schließlich schon einmal, also auf ein Neues, Ärmel hoch und in die Tasten gehauen. Es klappt bei den anderen doch auch.

 

Dort versteckt sich dann oft der erste Fehler. Vergleichsmechanismus. Die ewige Debatte zwischen "Das hätte ich auch gekonnt" und "Naja, gut, mit der Ausstattung auch kein Wunder". In diesem besonderen Fall hört und hört man Platten rauf und runter, findet manches außergewöhnlich gut oder wohlwollend mittelmäßig. Ist aber vor allem auf der Suche nach Sound. Nach der eigenen Handschrift, nach etwas, das es so bisher nicht gegeben hat. Einem Alleinstellungsmerkmal in einem Teich, in dem viele der Fische am liebsten "Alles" und "Queerbeet" essen.

 

Weitere zwei oder drei Wochen später steht das erste Stück, der Opener des Albums. Das Willkommensschild an der Tür, die Fußmatte mit dem witzigen Spruch drauf, die Klingelmelodie oder einfach nur die Klingel. Der erste Eindruck ist wichtig, darüber ist man sich einig. Der zweite Song auf einem Album ist ausschlaggebend für die Qualität des Ganzen, darüber sind sich Kritiker/innen einig. Zugzwang.

 

Also widmet man sich zunächst anderen faszinierenden Aufgaben. Covergestaltung, das "in Aussicht stellen" von etwas, das ganz sicher, ganz bald, ganz groß sein wird. Wenn alles fertig entworfen ist und die Anerkennung über das Design schön im Kochtopf des Schaffens brutzelt, findet man sich erneut apathisch vor dem flimmernden Bildschirm sitzend, grübelnd darüber, wie lange eine Projektdatei eigentlich leer sein könnte. Zum Glück hat man immer noch die Option einen Artikel darüber zu schreiben, warum der eigene Prozess oft so wenig Sinn ergibt. Oder wie Max Goldt sagt:

 

Man freut sich ja, wenn mal was fertig geworden ist. Macht ja keinen Spaß, zu schreiben.

Aber es macht Spaß, etwas geschrieben zu haben.